Die KI führt Entscheidungen herbei – auch im OP-Saal
Für viele klingt es nach einem Zukunftsszenario: Eine Künstliche Intelligenz trifft die Entscheidungen für Ärztinnen und Ärzte. Doch ist dies gar nicht so weit weg: Schon heute kann KI in einigen medizinischen Bereichen besser entscheiden als wir Menschen.
Die KI als Entscheiderin im Gesundheitsbereich: Vielleicht wird Ihnen bei diesem Gedanken ein wenig mulmig. Zu Recht – eine kritische Haltung ist berechtigt. Es geht nicht darum, der Künstlichen Intelligenz blind zu vertrauen und ihr die komplette Verantwortung zu übertragen. Dennoch gibt es Beispiele, die deutlich zeigen, dass KI dem menschlichen Urteilsvermögen zum Teil voraus ist.
Die Radiologie: KI-Vorreiterin in der Medizin
In der Medizin gilt die Radiologie als KI-Vorreiterin. Künstliche Intelligenz kann auf Röntgenbildern mehr "sehen" und daher Krankheiten oft zuverlässiger erkennen als Menschen. Sie kann Mediziner bei der Diagnose treffsicher unterstützen und so noch bessere Entscheidungen im Sinne der Patienten herbeiführen. Dennoch kommt KI in der Radiologie noch nicht flächendeckend zum Einsatz. Es gibt zahlreiche Anwendungen, oft wird ihr Einsatz jedoch durch finanzielle, technologische und regulatorische Hürden ausgebremst.
Auch in anderen medizinischen Bereichen hat Künstliche Intelligenz großes Potenzial. Das ist vor allem dann der Fall, wenn es um die schnelle Verarbeitung und Auswertung großer, komplexer Datenmengen geht. Im Projekt TRANSFER nutzt die SectorCon unter anderem KI, um die Patientenüberwachung während Operationen zu verbessern. Häufig kommt es bei OPs zu Veränderungen des Blutflusses (Hämodynamik). Mit derzeitigen Überwachungssystemen werden diese Veränderungen oft erst erkannt, wenn es schon zu spät ist. Komplikationen, verlängerte Krankenhausaufenthalte und Langzeitschäden sind die Folgen.

Daten sind die Basis für gute Entscheidungen
Mit einer verbesserten Patientenüberwachung können in Zukunft mehr Komplikationen verhindert werden. Im Fokus von TRANSFER steht die Entwicklung einer innovativen Datenplattform, mit der Sensordaten in Echtzeit an KI-Modelle übermittelt werden können. Die Datenplattform stellt den Ärzten Informationen, Vorhersagen und Warnungen bereit. Auf deren Grundlage können sie bei Veränderungen schneller reagieren und eine Behandlung einleiten.
Noch ist die Technologie noch nicht ausreichend schnell, um auch im OP-Saal Entscheidungen schnell genug herbeizuführen. In der Radiologie funktioniert das so gut, weil es dort nicht so sehr auf Schnelligkeit ankommt wie bei Operationen. Auf längerfristige Sicht sollen unsere Erkenntnisse aus dem Projekt TRANSFER aber in die Entwicklung eines Medizingeräts – ConCardiac Air – fließen, das in allen Klinken zur Anästhesieüberwachung zum Einsatz kommen kann.

So kann KI künftig auf der Basis großer Datenmengen Handlungsempfehlungen geben. Entscheidend ist eine gute Datenbasis. Für das Training eines KI-Modells nutzen die SectorCon und ihre Kooperationspartner Daten aus den bestehenden digitalen Krankenhaus-Informationssystemen (KIS). Während einer OP werden allein 300.000 Datensätze gebündelt und analysiert. Das sind mehr als neun Millionen Datenpunkte – dazu gehören zum Beispiel Vitaldaten während der Anästhesie, biometrische Werte, Daten zur Medikation und weitere Parameter.
KI im OP-Saal: Weitere Einsatzmöglichkeiten
Künstliche Intelligenz spielt bisher vor allem bei der Diagnose von Krankheiten eine Rolle. Doch auch bei der Vorbereitung, Durchführung und Kontrolle von Operationen kann KI eingesetzt werden – von der Aufstellung von OP-Plänen über die Überwachung von Vitalzeiten bis hin zu dreidimensionalen Darstellung während des Eingriffs. Dabei kann die Technologie menschliches Versagen verhindern und Risiken vorbeugen. Auch in der Nachsorge kann KI bei der Risikoanalyse und Patientenüberwachung eine wichtige Rolle spielen.
In der Chirurgie kommen teilweise auch schon Roboter zum Einsatz, die von Menschen gesteuert werden. In Zukunft könnten Roboter im OP-Saal auch selbständig operieren – auch damit wurden schon erste Versuche gemacht.
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