SectorCast: Warum Hightech nicht automatisch sichtbar ist
Vertraulichkeit und Sichtbarkeit
Sichtbarkeit ist für viele Unternehmen die Basis für Erfolg. Auch für die SectorCon spielen PR, Content und Social Media inzwischen eine wichtigere Rolle. Hören Sie im Podcast, warum es für uns aber oft eine Herausforderung ist, unsere Kompetenz nach außen hin zu zeigen.
Wir würden ja so gerne – aber wir dürfen oft nicht. Wir arbeiten mit großartigen Partnern an innovativen Projekten, über die wir in der Regel aber nicht öffentlich sprechen dürfen. Warum eigentlich? Das erklärt SectorCon-Geschäftsführer Roland Kopetsch im Podcast mit Inga Wolter. Welche Folgen hat das? Und welche Rolle wird Sichtbarkeit in Zukunft für Forschung und Entwicklung spielen?
Hören Sie rein: Warum Hightech nicht automatisch sichtbar ist
Oder lesen Sie hier das Transkript des Podcasts:
Inga Wolter:
Wir treffen uns heute, um hinter die Kulissen der SectorCon zu schauen. Wir tauschen uns zu einem besonderen Thema aus. Es geht um Sichtbarkeit auf der einen Seite und Vertraulichkeit in der Kommunikation auf der anderen Seite – und damit verbunden die Frage, warum ist es für die SectorCon eigentlich so schwer zu zeigen, was ihr könnt?
Als eure neugierige Texterin frage ich euch ja immer wieder nach Beispielen aus eurer Arbeit und bekomme meistens die Antwort: Da können wir keines nennen, das dürfen wir nicht zeigen. Warum ist das denn so?
Roland Kopetsch:
Das ist tatsächlich ein großes Problem für uns, Sichtbarkeit und Vertraulichkeit unter einen Hut zu bringen. Es liegt schlicht und einfach daran, dass unsere Kunden, die aus der Industrie kommen, entweder ein großes Problem oder eine tolle Idee haben. Und dann sind sie natürlich in beiden Fällen nicht unbedingt scharf darauf, dass die Öffentlichkeit davon erfährt.
Inga Wolter:
Ja, verstehe.
Was genau sind das denn dann für Dinge, die ihr nicht zeigen dürft? Vielleicht kannst du da mal ein Beispiel nennen.
Roland Kopetsch:
Also ich kann jetzt kein Beispiel nennen von tatsächlichen Projekten. Ich habe mir aber ein Beispiel überlegt, das genügend aussagekräftig ist. Auf der einen Seite zeigt es, dass es manchmal auch um banale Dinge geht und nicht immer um Raketen oder Flugzeuge. Auch zeigt es sehr gut, was der Hintergrund ist.
Also nehmen wir an, du hast einen Getränkehersteller, der hat gerade eine neue Abfüllanlage gebaut. Und jede zehnte Flasche geht kaputt beim Abfüllen. Jetzt ist er natürlich verzweifelt und hat schon viel ausprobiert. Und wenn Kunden dann auf uns kommen, dann haben sie natürlich kein Interesse, dass bekannt wird, dass sie ein Problem haben.
Wir versuchen dann mit unserer Sensorik zu helfen. Auf der Maschine, auf der Flasche werden die Sensoren befestigt und dann kann man erkennen, ob irgendwo Vibrationen sind, Erschütterungen. Und schließlich hat der Kunde dann hoffentlich einen Erfahrungsgewinn und kann dann entsprechend handeln.
Inga Wolter:
Ich kann mir vorstellen, wenn man so tolle Entwicklungen macht, die Kunden dann auch wirklich helfen und Probleme lösen, dass das manchmal auch irgendwie sehr schwer ist, dann eben nicht davon zu erzählen. Wie fühlt sich das denn an, so mit innovativen Projekten hinterm Berg halten zu müssen?
Roland Kopetsch:
Also bei dem Beispiel, das ich gerade genannt habe, ist es jetzt noch nicht so schwer, weil es jetzt nichts Sensationelles, nichts Weltbewegendes ist. Für den Kunden geht es aber doch um recht viel, teilweise große Investitionen. Auch wenn sie eine innovative Idee haben, dann sind auch Investitionen damit verbunden. Manchmal sind aber wirklich Sachen dabei, wo wir sagen, ja schade, dass wir nicht darüber berichten können, es ist wirklich interessant. Jetzt vielleicht nicht nur von der Sache, die dahintersteckt, sondern auch vom Lösungsansatz. Und je tiefer man denn da ins Detail geht, in die Technologie, dann wird es natürlich für denjenigen, der uns da beauftragt, immer heikler, irgendwelche Sachen zu verraten oder preiszugeben, wie man so ein Problem gelöst hat.
Inga Wolter:
Kannst du noch einmal auf den Punkt bringen, was die Vorteile davon sind, dass bei euch vieles hinter den Kulissen bleiben muss, und was die Nachteile sind. Gibt es überhaupt Vorteile?
Roland Kopetsch:
Also Vorteile für uns gibt es nicht, muss man einfach so sagen, weil ich kenne jetzt kein einziges Projekt, wo ich sagen würde, naja, da würde ich auch jetzt nicht so gerne drüber sprechen. Was wir da gemacht haben oder für wen wir was gemacht haben, da fällt mir nichts ein. Also hat es in der Hinsicht für uns keinerlei Vorteile, sondern eigentlich nur den Nachteil, dass wir eben nicht sichtbar sind.
Selbst wenn man mit vertrauenswürdigen Partnern spricht, also wenn wir mit Kunden A und Kunden B haben wir ja Vertraulichkeitsvereinbarungen, aber wir dürfen natürlich nicht mit Kunden B darüber sprechen, was wir bei Kunden A gemacht haben. Also Vorteile gibt es nicht. Nur Nachteile, dass man eben, wie gesagt, weniger sichtbar ist und nicht so klar ist, worum es bei uns geht.
Inga Wolter:
Schauen wir nochmal auf die ganz andere Seite. Was sind denn Projekte, die ihr nach außen hin zeigen dürft?
Roland Kopetsch:
Projekte, die wir nach außen zeigen dürfen und inzwischen auch wollen, sind unsere eigene Entwicklung im Bereich der Medizintechnik, unsere ConCardiac-Plattform, wo alle Rechte und alles Know-how, was damit in Verbindung steht, uns gehört. Und wir sind eben damit auch bis vor etwa zehn Jahren sehr geheimnistuerisch umgegangen, haben gesagt, wir erzählen keinem davon, erst wenn es fertig ist. Und haben dann aber unsere Strategie geändert und gesagt, wir erzählen jetzt allen, worum es geht. Und das war eigentlich ein guter Schritt, weil durch diese Öffnung jetzt so eine Art Community entstanden ist, in der wir auch geschätzter Partner sind und mit großen Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten. Und die Forschungseinrichtungen sind ja oftmals gefördert durch öffentliche Mittel und daher sind die eigentlich ganz dazu verpflichtet, ihre Erkenntnisse zu veröffentlichen. Dazu sind die ja da. Das betrifft eben in der überwiegenden Zahl die Industriekunden oder die aus der Wirtschaft.
Inga Wolter:
Noch eine Nachfrage dazu. Wie kam das denn, dass ihr diesen Wechsel gemacht habt und mit ConCardiac dann in die Sichtbarkeit gegangen seid?
Roland Kopetsch:
Wir waren damals der Ansicht, dass wir, wenn wir alleine weitermachen, ohne Partner, diesen Weg nicht weiter erfolgreich gehen können. Deswegen haben wir uns dazu entschieden, mit allen darüber zu reden, was wir machen. Das war eine gute Entscheidung im Nachgang.
Inga Wolter:
ConCardiac ist ja aber nur wirklich eines der vielen innovativen Projekte, die ihr macht. Wie groß ist denn der Anteil dieses Projekts an eurer Gesamtarbeit? Ich glaube, nach außen hin sieht das ja manchmal so aus, als würdet ihr vor allem ConCardiac machen, aber ihr habt ja noch so viel mehr.
Roland Kopetsch:
Das war jetzt in der letzten Zeit, weil wir konnten, haben wir da sehr viel drüber gesprochen. Es macht etwa 20 bis 30 Prozent unserer Arbeit aus und der Rest verteilt sich auf die anderen Bereiche.
Inga Wolter:
Zum Schluss möchte ich gerne noch mit dir in die Zukunft blicken. Was glaubst du denn, welche Rolle wird Sichtbarkeit bzw. Vertraulichkeit in Zukunft für Forschung und Entwicklung spielen?
Roland Kopetsch:
Da muss man leider sagen, es wird bestimmt nicht besser werden. Die Zeiten sind, wie sie sind und wir haben große Herausforderungen und große Bedrohungen. Und deswegen glaube ich, dass sich das nicht jetzt grundsätzlich ändern wird, sondern in Zukunft eventuell noch stringenter gehandhabt wird in "bestimmten Branchen", wie ich das mal bezeichnen will. Und deswegen glauben wir nicht, dass sich jetzt eine große Änderung abspielt in dieser Zeit.
Inga Wolter:
Also, dass Vertraulichkeit immer noch sehr wichtig bleibt. Ja, ich danke dir für diesen Einblick und habe mir Spaß gemacht.
Roland Kopetsch:
Ja, ich danke dir für deine Neugier und wünsche noch einen schönen Tag.
Inga Wolter:
Ja, dir auch. Danke.