4 digitale Mythen – und warum analog oft der smartere Weg ist

4 digitale Mythen – und warum analog oft der smartere Weg ist
Führt die Digitalisierung uns in eine Sackgasse? Auf jeden Fall ist sie nicht die Lösung für alle Probleme.

In der Wirtschaft wird gerade digitalisiert, was das Zeug hält. Als hätten wir unendlich viel Energie zur Verfügung. Digitale Technologien gelten als DIE Lösung unserer Zeit: modern, effizient und skalierbar. Aber sind wir damit wirklich auf dem richtigen Weg? Wir glauben nicht.

Die Menschheit ist mitten im digitalen Zeitalter angekommen. Wir chatten, "treffen" uns per Videocall und befragen die KI. Digitale Technologien erleichtern unser Leben und ermöglichen schnelles, effizientes und skalierbares Arbeiten.

Vieles basiert auf dem Prinzip 0/1 und der weitere Kurs scheint klar und unausweichlich: Die Welt soll noch digitaler werden. Aber, Stopp – hält die Digitalisierung wirklich, was wir uns in vielen Bereichen von ihr versprechen?

Vier digitale Mythen – und was wirklich stimmt.

Meisterwerk und doch eine Sackgasse: Mit der Digitalisierung könnte es auf lange Sicht ähnlich wie mit dem Verbrennungsmotor (Bild) laufen.

Mythos 1: Digital ist automatisch effizienter und nachhaltiger

Oft scheint es so, weil wir durch den Einsatz digitaler Technologien Prozesse beschleunigen und verschlanken können. Wir sparen Zeit, Personal und Geld. Das kann durchaus der Fall sein – aber das ist nur die halbe Wahrheit. Was wir oft nicht sehen: Für digitale Prozesse ist eine Menge Infrastruktur nötig – Hardware, Rechenzentren, Produktionsmaschinen. Hinzu kommt der immense Stromverbrauch.

Bis 2030 wird sich der Stromverbrauch der Rechenzentren nach Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) mehr als verdoppeln.

Insofern könnte man die Digitalisierung als den Verbrennungsmotor des 21. Jahrhunderts bezeichnen – fortschrittlich, aber langfristig nicht effizient.

Mythos 2: Digitale Technologien sind immer genauer

Auch das stimmt nicht. Digitale Berechnungen können schnell an ihre Grenzen stoßen. Für sehr präzise Daten sind analoge Messungen oft verlässlicher. Das ist zum Beispiel bei schnellen Veränderungen des Drucks oder der Temperatur der Fall. Analoge Messungen sind reaktionsschneller, da keine Daten verrechnet werden müssen. Außerdem arbeiten sie kontinuierlich und robust.

Mythos 3: Digital skaliert immer besser

Jein. Digitale Technologien sind für die Skalierung gemacht: Produkte können beliebig oft vervielfältigt und verkauft werden. Prozesse können automatisiert werden. Und KI-Modelle werden zudem immer besser, mit je mehr Daten sie gefüttert werden. Das funktioniert gut – aber ist es auch besser als die analoge Skalierung? Nicht unbedingt. Digitale Skalierung bringt auch Nachteile mit sich: Verzögerungen bei der Datenübertragung, Sicherheitsrisiken und – wir erwähnen es nicht zum ersten Mal – einen sehr hohen Energieverbrauch.

Weltweit ist der Stromverbrauch von Rechenzentren seit 2017 um rund 12 Prozent pro Jahr gestiegen, mehr als viermal so schnell wie der Gesamtstromverbrauch. (IEA)

Mythos 4: Digital ist die Zukunft, analog ist rückständig

Woran denken Sie, wenn Sie das Wort "analog" hören? An Ihre gute, alte analoge Kamera? An "vergangene Zeiten"? Damit sind Sie nicht allein. "Analog" löst heute bei vielen Menschen eher nostalgische Gefühle aus. Analoge Technologien werden im Alltag manchmal belächelt. Dabei basiert die gesamte Digitalisierung doch auf analogen Systemen. Auch in der Sensortechnik arbeiten wir fast immer analog – zumindest bis wir die gesammelten Daten in digitale Signale umwandeln.

Digital ist nicht die Lösung aller Probleme

An diesen Mythen – und ihrer Entkräftung – sehen Sie, wo digitale Technologien an ihre Grenzen stoßen. Wenn wir also glauben, dass sich alle Probleme digital lösen lassen, liegen wir falsch. Analoge Technologien bringen viele Vorteile mit sich. Sie sind oft effizienter, nachhaltiger, präziser und robuster – und keinesfalls rückständig. Wie hochspezialisierte digitale Lösungen sind auch analoge Technologien High-End-Lösungen. Vor allem aufgrund des wachsenden Energieproblems ist es wichtig, sie wieder mehr ins Blickfeld zu rücken.

Analog oder digital? Das soll nicht die Frage sein. Es gibt kein Entweder-Oder.

Um den Energieverbrauch in den Griff zu bekommen und den nächsten Technologiesprung zu meistern, sollten wir in Zukunft auf hybride Lösungen setzen.

Schnell mal ChatGPT fragen: Das ist schon jetzt aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken – der Energieverbrauch ist aber immens.

Heute will niemand mehr das elektrische Licht "ausknipsen" – und die KI auch nicht. ChatGPT und Co. werden immer selbstverständlicher und sind schon jetzt aus dem Alltag kaum wegzudenken. Doch wir können nicht unendlich viele Rechenzentren bauen, um den damit verbundenen explodierenden Energiebedarf zu decken.

Eine analoge Verheißung: Neuromorphic Computing

Eine vielversprechende Technologie ist das Neuromorphic Computing, das der SectorCon-Sensortechnik in seiner Arbeitsweise sehr ähnlich ist. Beim Neuromorphic Computing werden Daten direkt auf einem Chip gespeichert, statt sie in ein Rechenzentrum zu übertragen. Was ist mit neuromorphen Chips möglich? Wir loten derzeit die Möglichkeiten aus, um in Zukunft mit dieser Technologie energiesparendere Lösungen entwickeln zu können.

Lies hier mehr über Neuromorphic Computing

Quellen:

Achieving high precision in analog in-memory computing systems - npj Unconventional Computing
npj Unconventional Computing - Achieving high precision in analog in-memory computing systems

https://www.iea.org/reports/energy-and-ai/executive-summary

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2590123025045049